Schönower Immobilien-Aktiengesellschaft Berlin

Spinnstofffabrik Zehlendorf Aktiengesellschaft

               
               
SUPPES Ausgabe- Auflage + Art des Wertpapiers Nenn- Währung Reichsbankschatz  
Nr. Datum       Wert   versteig. Jahr  
                   
24.798 22.10.1930 500 Vorzugs-Aktien 1.000 RM 250 2005 Abb.
                   

Die Gesellschaft

 

Die Gesellschaft wurde am 03.07.1886 in Altenburg (Thüringen) gegründet.

 

Ursprünglicher Zweck der Gesellschaft: Herstellung von Kunstseide und Zellwolle, später dann die Herstellung und der Vertrieb von Produkten der chemischen und der Textilindustrie.

 

Firma bis 1899  Fockendorfer Papierfabrik A.-G. vormals  Drache  Co.

1899 Sitzverlegung nach Elberfeld

bis 06.09.1928  Elberfelder Papierfabrik AG.

 

Lt. Generalversammlung vom 22.10.1930 erfolgte auch formal die Sitzverlegung des Gesellschaft von Elberfeld nach Berlin-Zehlendorf. Der Name wurde geändert in Schönower Immobilien-AG. Das Fabrikgebäude befand sich in Berlin-Zehlendorf, Wupperstraße 1 – 15. Außer der Fabrik gehörten auch Wohngebäude zu der damaligen Bebauung.

 

Später, ab Ende Mai 1937 nannte sich die Firma Spinnstofffabrik Zehlendorf AG. Daraus leitet sich auch der Begriff „Zehlendorfer Spinne“ ab, der noch nach dem Krieg in Berlin ein Begriff war.

 

Schönow war ein alter Ortsteil im Süden von Zehlendorf direkt an der Grenze zu Teltow. Wegen des beginnenden Baus des Teltowkanals wurde das Gut Schönow zum Beginn des 20. Jahrhunderts für Grundstücksspekulanten interessant. Sie erwarben den Grundbesitz von den Erben des damaligen Gutsherrn für 850.000 Mark und verkauften die Immobilie nach der Eröffnung des Teltowkanals im Jahre 1906 für immerhin 3,57 Mio. Mark. Hier entstand dann zuerst die Elberfelder Papierfabrik. Das Herrenhaus des ehemaligen Gutes Schönow wurde in den 1960er Jahren abgerissen.

 

Nach dem 2. Weltkrieg ist die Gesellschaft in den Hoechst-Trevira-Konzern aufgegangen. Am 1. Januar 2010 wurde das operative Geschäft der Trevira Group und Trevira Holding von der neu gegründeten Trevira GmbH übernommen. Die Eigentümer sind seit Juli 2011 die Indorama Ventures PCL (Thailand) und die Sinterama S.p.a. (Italien).

 

Auf dem Grundstück selbst sowie der näheren Umgebung befindet sich auch heute (2014) noch ein großes, etwas heruntergekommenes Gewerbegebiet. Das Grundstück der ehemaligen Spinnstofffabrik wird teilweise zur Lagerung von Getränkekisten genutzt.

 

Aus dem Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv (Link):

Große Industrieunternehmen hat es in Zehlendorf nicht gegeben. Eine Ausnahme bildete die Spinnstofffabrik Zehlendorf, von allen »Zehlendorfer Spinne« genannt. Sie ließ sich in dem Gewerbegebiet an der Goerzallee nieder mit Anschluss an die Bahn Berlin-Potsdam. Das Werksgelände hatte mittels eines Stichkanals auch Zugang zum Teltowkanal, der Voraussetzung für die industrielle Entwicklung des Berliner Südens gewesen war.

Zuerst stand hier ab 1904 bis zu einem schweren Brand im Jahre 1916 ein Werk der Elberfelder Papierfabrik.

1919 begannen in der neu gegründeten Spinnstofffabrik Zehlendorf Wilhelm Wuppermann und Dr. Karl Leuchs mit der Kunstseideproduktion, wobei die Herstellung von Viskose-Kunstseide kein weit verbreitetes Verfahren war.

Mit der Angliederung einer Färberei und einer Effektzwirnerei sowie ab 1934 der Fabrikation von Zellwolle war die »Spinne« erfolgreich und entwickelte eines neues Verfahren zur Nachbehandlung der Kunstseide auf der Spule. Die Autarkiepolitik verhalf der »Spinne« zu weitere Bedeutung, weil man sich von der Einfuhr von Baumwolle unabhängig machen wollte.

Mit der völligen Demontage der Fabrik 1945 und der Berliner Blockade 1949 stand das Unternehmen schlecht da, auch wenn die Unternehmensleitung unter Dr. Werner Winkel die Wiederaufnahme der Produktion bewerkstelligte. In den 50er Jahren stellten 1.400 Mitarbeiter bei der »Spinne« auch Perlon her. Damit zog man aber den Unmut der Zehlendorfer auf sich, weil die Fabrik »infame Gerüche« produzierte. 1960 stieg Hoechst bei der »Spinne« ein, die jedoch mit wechselvollem Erfolg fortbestand. Mit der Verschmelzung der »Spinne« auf die Hoechst AG endet ihre Geschichte.

 

Abbildungen:

Berlin nach der letzten Eingemeindung im Jahre 1920

Plan aus dem Berliner Adressbuch von 1909

Die "Zehlendorfer Spinne" bis zum 2. Weltkrieg

... und 2014

 

Link zum aktuellen Stadtplan mit Luftbild

 

Literatur- und Quellennachweis

 

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

Wikipedia