Aktiengesellschaft für Bahnen und Tiefbauten

GESOBAU Gesellsch. für sozialen Wohnungsbau gemeinn. AG

 

Links: zurück zur Hauptseite

          zu Stadtplänen und Bildern

 

Beschreibung der Gesellschaft

Die Gesellschaft wurde am 25.05.1900 gegründet.

Zweck war der Bau, Erwerb und Betrieb von Bahnen jeder Art, insbesondere von Kleinbahnen, sowie Förderung des Eisenbahn- und sonstigen Transportverkehrs, ferner Bau von Kanälen, Chausseen und anderen Tiefbauanlagen, Erwerb und Veräußerung von Grundstücken, Bauten aller Art etc.

 

Seit 01.08.1901 führte die Gesellschaft den Betrieb der Selters-Hachenburger Kleinbahn. In den Folgjahren baute die Gesellschaft für andere Bahnunternehmungen verschiedene Eisenbahnlinien. Darunter war auch der Tunnel der Untergrundbahn in Berlin vom Nollendorfplatz bis Zoologischer Garten – s.a. Am Nollendorf Grundstücks-AG.

 

Seit Juni 1932 hat sich die Gesellschaft nur noch mit der Verwaltung von Grundstücken beschäftigt. Der Wert der Immobilien lag bei über 5 Mio. Mark. Vermögenswerte an Eisenbahngesellschaften bestanden nicht mehr. Die Geschäfte waren anscheinend recht erfolgreich, jedenfalls konnte die Gesellschaft regelmäßig Dividenden ausschütten, die bis zu 8 % und 10 % erreichten.

 

Im Jahr 1949 erwarb die Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaus (DeGeWo) das gesamte Grundkapital unter gleichzeitiger Umstellung der Gesellschaft zu einem gemeinnützigen Wohnungsunternehmen – die ursprüngliche Bahngesellschaft wurde zur GESOBAU, Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau gemeinnützige AG. In der Gesellschaft verblieben damals nur noch 27 Häuser mit 291 Wohneinheiten im Norden Berlins an der damaligen Sektorengrenze und der durch Kriegeinwirkungen zerstörte Grundbesitz in Berlin-Schöneberg.

 

Das größte Bauprojekt der GESOBAU war in den 1960er Jahren der Bau des Märkischen Viertels im Norden Berlins mit immerhin 13.000 Wohnungen, die damals alle im öffentlich geförderten sozialen Wohnungsbau subventioniert wurden. Heute leben dort rd. 40.000 Menschen.

 

Ehe das Märkische Viertel von den Mietern angenommen wurde, gab es noch diverse Änderungen. So wollte man sogar in den 1980er Jahren einige Geschosse der Hochhäuser abreißen, um die Wohnqualität zu steigern. Natürlich liefen die Pläne nicht unter dem Stichwort „Wohnungs-Abriss“ sonder ganz unverfänglich unter dem Begriff „Rückbau“. Aber diese Pläne landeten dann doch in der Schublade und die Bewohner des Märkischen Viertels haben sich mit ihrem Wohnumfeld arrangiert – insbesondere auch durch die Bemühungen der GESOBAU, die als einziger Eigentümerin das Quartier immer mehr aufwertet, In den letzten Jahren wurden umfangreiche energetische Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. Hier zeigt sich auch ein Vorteil gegenüber der Gropiusstadt im Süden Berlins. Dort müssen eine Vielzahl von Gesellschaften versuchen, die Sozialstruktur des Viertels zu verbessern; die Abstimmung ist naturgemäß nicht immer einfach.

 

Aber ein „Nachteil“ des Märkischen Viertels ist immer noch nicht beseitigt: zum Zeitpunkt der Errichtung des Viertels wollte Berlin die U-Bahn verlängern, um eine Anbindung an die Innenstadt zu erleichtern. Das ist aber bis heute nicht realisiert worden ... und wird sicherlich in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr erfolgen. Gerade bei der Geschichte bzw. den Wurzeln der GESOBAU hätte man sich den Bau der U-Bahn gewünscht ... allerdings: zur Wende des 19. / 20. Jahrhunderts wurde die Anbindung mit Bahnen von den jeweiligen Bauherren der Siedlungen durchgeführt, nicht aber von der Stadt Berlin, deren einziges U-Bahn-Neubau-Projekt „Unter den Linden“ gerade begonnen wird.

 

 

So stellt sich die Gesellschaft heute im Internet dar:

 

Von der Gründung bis zur Errichtung einer der größten Wohnsiedlungen in Berlin – das Märkische Viertel in Reinickendorf
Wir machen eine Zeitreise ins Jahr 1900. Berlin entwickelt sich rasant, es entstehen neue Stadtviertel für mittlere und gehobene Bedürfnisse. Der Eisenbahnbau bekommt zunehmend Bedeutung, Berlin wird gar zur Eisenbahnmetropole. Innerhalb weniger Jahre werden Fahrbahnstrecken gebaut, repräsentative Bahnhofsbauten aus dieser Zeit sind die Symbole dieser verkehrstechnischen Aufbruchstimmung. Die Gründung mehrerer Eisen-bahnbau-Unternehmen ist die logische Folge dieser Entwicklung. So entsteht am 25. Mai 1900 auch die Aktiengesellschaft für Bahnen und Tiefbauten, in die der Berliner Eisenbahnunternehmer Philipp Backe ausgewiesene Kenntnisse über den Bau von Eisenbahnstrecken in das Unternehmen einbringt.

 

Erste U-Bahn-Verbindung Berlins entsteht
Das erste Großprojekt der Aktiengesellschaft für Bahnen und Tiefbauten lässt nicht lange auf sich warten: 1902 entsteht die erste Berliner U-Bahn-Verbindung überhaupt zwischen Zoo und Nollendorfplatz. Berlin erhält damit nach London, Budapest, Glasgow und Paris als fünfte europäische Großstadt eine U-Bahn. Na klar, jetzt traut sich das Unternehmen mehr zu, der Ehrgeiz wächst mit dem Erfolg. Das Eisenbahnunternehmen beteiligt sich am Bau des Eisenbahnnetzes im Westen des Landes, in Elsaß-Lothringen. Doch die Firma übernimmt sich, 1905/1906 steht sie fast vor dem Aus. Nur durch eine Rettungsaktion von 600.000 Reichsmark kann sie den Ruin zunächst abwenden.

 

Vom ehemaligen Eisenbahn- zum Immobilienunternehmen
Die 20er Jahre, gekennzeichnet durch Inflation, Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Depression, zwingen den Eisenbahnbau und damit auch die Aktiengesellschaft letztendlich doch in die Knie. Um das Unternehmen zu retten, muss es sich nach neuen Betätigungsfeldern umsehen. Erste Gehversuche im Immobilienbereich hatte es bereits erfolgreich seit 1905 unternommen – folgerichtig also, dass dieses Geschäft nun ausgebaut werden soll. 1922/23 erwirbt das Unternehmen insgesamt sieben Häuser in Schöneberg und fängt sogleich mit der Instandsetzung an. In den folgenden Jahren steigt die Aktiengesellschaft auch in den Wohnungsneubau ein und errichtet insgesamt 37 Häuser im Berliner Norden. Der Umbau vom ehemaligen Eisenbahn- zum Immobilienunternehmen ist nun endgültig abgeschlossen. Während der Zeit des Nationalsozialismus befasst sich das kleine Berliner Unternehmen ausschließlich mit der Verwaltung der im eigenem Besitz befindlichen 44 Häuser in Schöneberg und im Norden Berlins, da die Reichsregierung dem gemeinnützigen Wohnungsbau den finanziellen Boden entzieht. Fünf Angestellte und sieben Portiers bewältigen die überschaubaren Verwaltungsaufgaben. So konnte die Firma bis zum Ende des Krieges durch eine umsichtige Unternehmenspolitik bestehen.

 

Neuanfang nach 1945, die Entstehung der Schillerhöhe und des Märkischen Viertels


Die große Bedeutung des sozialen Wohnungsbaus
Der Zweite Weltkrieg ist vorbei – und damit der Großteil Berlins zerstört. Über 500.000 Wohnungen liegen in Schutt und Asche, darunter die Wohnhäuser der GESOBAU in Schöneberg. Die Versorgung der Berliner mit Wohnraum hat nun oberste Priorität, denn in den ersten Nachkriegsjahren nimmt die Bevölkerung Berlins durch Flüchtlinge und Kriegsheimkehrer wieder erheblich zu. Der Senat setzt bei seiner Wohnungspolitik hauptsächlich auf den sozialen Wohnungsbau, um die Versorgung aller Einkommensschichten mit Wohnungen sicherzustellen. Hier sind nun vor allem die großen städtischen Wohnungsbaugesellschaften gefragt, zu denen auch die GESOBAU gehört. 1949 wird so aus der „Aktiengesellschaft für Bahnen und Tiefbauten“ die „Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau gemeinnützige Aktiengesellschaft“ (GeSoBau) – zunächst jedoch als Tochterunternehmen unter dem Dach der ebenfalls städtischen degewo.

 

Wohnungsbau-Wettlauf
Mit den 50er Jahren beginnt ein regelrechter Wettlauf im Wohnungsbau. Insgesamt werden bis 1961 in West-Berlin über 200.000 neue Wohnungen fertig gestellt, davon 90% Sozialwohnungen. Im Ostteil der Stadt zeugt vor allem die damalige Stalinallee vom Städtebau dieser Zeit. Die Wohnsituation entspannt sich durch den raschen Neubau langsam, allein der Wohnungsbestand der damals noch rein West-Berliner GESOBAU erhöht sich bis 1961 von 349 auf 2.187 Wohnungen. Die Weddinger Schillerhöhe stellt dabei das erste große Neubauprojekt der GESOBAU dar.

 

Die Schillerhöhe als erstes Großprojekt der GESOBAU
Gebaut wird das Viertel 1955 aber durch die DEGEWO, zu der die GESOBAU zu diesem Zeitpunkt noch gehört. Über 2.000 Wohnungen entstehen in unmittelbarer Nähe des Schillerparks auf der Grundlage eines Architekturwettbewerbs. Wie begehrt die Wohnungen sind, zeigt die Tatsache, dass schon 1953 mehr Bewerbungen für die sich noch in Planung befindlichen Wohnungen vorliegen als tatsächlich errichtet werden sollen. Seit 1958 übernimmt die GESOBAU nach und nach Teile der Schillerhöhe von der degewo. Bald bietet das Viertel seinen Bewohnern von einem Hallen- und Freibad bis zu eigenen Mietergärten zeitgemäßen Komfort und erfreut sich großer Beliebtheit bei den Bewohnern in West-Berlin.

 

Die Entstehung des Märkischen Viertels
Trotz des sich langsam entspannenden Wohnungsmarkts gibt es viele Gebiete, die bisher städtebaulich noch gar nicht erschlossen sind. Etwa das wild besiedelte Laubenpieper-Gelände in Wittenau im Norden Berlins an der Grenze zu Pankow – heute als das Märkische Viertel bekannt. Auch diese Gebiete sollen nun mit einbezogen werden, „Urbanisierung“ heißt das neue Stichwort. Das durchaus ambitionierte Ziel lautet: Wohnraum für Tausende schaffen und gleichzeitig architektonische Zeichen setzen. 1962 wird die GESOBAU als Sanierungsträger des Märkischen Viertels beauftragt – eines der wohl ambitioniertesten Wohnungsbauprojekte in ganz Deutschland. Der Stadtteil soll als beispielhaft, modern und zukunftsweisend gelten. 1974 sind die Bauarbeiten abgeschlossen: Auf einem 385 Hektar großen Areal ist ein neuer Stadtteil mit knapp 17.000 Wohnungen für rund 50.000 Menschen entstanden.

 

Die öffentliche Meinung im Wandel
1968 kippt jedoch die öffentliche Meinung zum modernen Wohnungsbau dieser Art. Eine Gruppe jüngerer Architekten veranstaltet eine Sonderausstellung zum Thema „Stadtsanierung“, auf der sich das Märkische Viertel vernichtender Kritik unterziehen muss. Zwei Jahre später erreicht die Debatte schließlich ihren Höhepunkt und leitet ein Umdenken bei Politikern, Wohnungsbaugesellschaften und Stadtplanern ein. Die GESOBAU, der Bezirk und das Land reagieren mit umfassenden Maßnahmen im Wohnumfeld und in der Belegungspolitik der Siedlung.

Inzwischen ist das Märkische Viertel von seinen Bewohnern „angenommen“.

 

 

 

 

Literatur- und Quellennachweis:

 

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

GESOBAU, Wilhelmsruher Damm 142, 13439 Berlin-Reinickendorf

www.gesobau.de

 

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

Peus, Dr. Busso (Hrsg.)

Der Reichsbankschatz, Auktionskataloge Nr. 1 bis 5 aus 2003, 2004/2005, 2006, 2008

 

Verband Berliner Wohnungsbaugenossenschaften und –gesellschaften (Hrsg.) am 28.11.1957

Geschichte der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft in Berlin