"Ahag" Allgemeine Häuser- und Industriebau AG

 

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Die Gesellschaft

Im Laufe der Jahre wechselte der Name der Gesellschaft recht häufig:

1. Allgemeine Häuserbau-Actien-Gesellschaft

2. Allgemeine Häuserbau-Actien-Gesellschaft von 1872 (30.10.1924)

3. Allgemeine Häuserbau AG von 1872 - Adolf Sommerfeld (01.10.1926)

4. Allgemeine Häuserbau AG (02.06.1933)

5. "Ahag" Allgemeine Häuser- und Industriebau-AG, Berlin-Lichterfelde (in 1937)

6. Bau- und Holzindustrie Verwaltungs-Aktiengesellschaft (seit 1945)

 

Die Gründung der Gesellschaft erfolgte am 29.02.1872 mit einem Grundkapital von 600.000 Mark; der Zweck war die Errichtung von Bauten aller Art, insbesondere von Industrie- und Siedlungsbauten im eigenen und fremden Namen, der Erwerb von Grundstücken und deren Verwertung, insbesondere durch Verkauf im ganzen oder in Teilen, die Aufnahme und Gewährung von Darlehen, Hypotheken und Grundschulden sowie allgemein die Unternehmung von Gewerbebetrieben und die Vornahme damit zusammenhängender Handelsgeschäfte aller Art. Die Gesellschaft konnte zur Erreichung dieser Zwecke andere industrielle oder Handelsunternehmungen erwerben, errichten oder sich an ihnen beteiligen. Die Gesellschaft war befugt, Interessengemeinschaftsverträge und sonstige Verträge über die Gewinnverteilung mit anderen Gesellschaften abzuschließen.

 

Tätigkeitsgebiete: Ausführung von Industrie- und Wohnungsbau, Eisenbetonarbeiten, weitgespannte Hallen (in Holz oder Eisenbeton), Großtischlerei, Großzimmerei, Aufschließung von Baugelände, Finanzierungen.

 

In den 1870er und 1880er Jahren bebaute man verschiedene Grundstücke im Wedding, Prenzlauer Berg und am Schöneberger Ufer, alle auf eigene Rechnung zwecks späterer Veräußerung. Um die Jahrhundertwende waren fast alle Grundstücke verkauft, man verlegte sich auf das Konsortialgeschäft.

 

Die Gesellschaft beteiligte sich bis 1904 an einem Schöneberger Projekt, danach an Bodengesellschaften, so an

der Boxhagener Bodengesellschaft,

der Terraingesellschaft Reinickendorf (1910) und an

der Neue Berliner Grundstücks-Aktiengesellschaft.

 

Das Geschäft wurde mehr und mehr durch Auftragsbauten für Rechnung Dritter dominiert.

 

Auch diese Gesellschaft steckte nach dem ersten Weltkrieg tief in den roten Zahlen, so dass 1920 ein Kapitalschnitt mit anschließender Kapitalerhöhung vorgenommen werden musste. 1922 wurde ein 38,3 ha großes Areal am Fischtal (südlich der Argentinischen Allee) gekauft, auf dem dreigeschossige Wohnbauten errichtet wurden.

 

1923 wurde ein Jahr der Konsolidierung: die Gesellschaft übernahm das ursprünglich zur Hälfte gehaltene Konsortialgeschäft Reinickendorf ganz und schloss mit der

Terraingesellschaft Zehlendorf-West im Verbund mit der

Terraingesellschaft am neuen Botanischen Garten; später Haus und Heim Wohnungsbau-Aktiengesellschaft (1942 = 48,6 % Anteil)

eine Interessengemeinschaft - später wurden beide Gesellschaften vollkommen übernommen.

 

Die Gesellschaft engagierte sich auch im Hochbau und hat speziell bei Holzkonstruktionen Aktivitäten entwickelte. Diese entstanden vor allem durch die Übernahme der Firma Adolf Sommerfeld im Jahre 1926. Zu diesem Zeitpunkt besaß die Firma ein zusammenhängendes, bevorzugtes Bauland von 2 Mio. m² im Südwesten von Berlin.

 

1927 beteiligte man sich an der Siedlungsgemeinschaft Klein-Machnow mbH.

 

1927/1928 war die Gesellschaft im staatlichen Wohnungsbau beschäftigt.

 

Unmittelbar angrenzend an die Potsdamer Stammbahn im Westen Groß-Berlins sicherte sich die Gesellschaft das Baurecht für ein 1 Mio. m² großes Gelände. Für das Zehlendorfer Schnellbahnbau-Konsortium mit der Haus und Heim Wohnungsbau-AG (Link) hat die Gesellschaft 1929 die Untergrundbahnstrecke Thielplatz – Zehlendorf West mit den drei U-Bahnhöfen Oskar-Helene-Heim, Onkel-Toms-Hütte und Krumme Lanke ausgeführt. Im Laufe des Jahres 1931 führte die Gesellschaft den Bau der neuen Ladenstraßen zu beiden Seiten des U-Bahnhofes Onkel-Toms-Hütte aus.

 

1929 wurde die Großsiedlung in Bad Dürrenberg (westlich von Leipzig) fertiggestellt.

 

Bis 1930 entstanden 400 Einfamilienhäuser in der Siedlung Onkel Toms Hütte, weitere Häuser in der Umgebung und mehr als 1.500 Wohnungen in Zwei- und Mehrfamilienhäusern.

 

Nichtsdestotrotz stand sie 1932 wieder einmal vor einem Kapitalschnitt, um die chronische Unterbilanz zu tilgen. Daraufhin wurde 1933 auch die Börsennotiz eingestellt. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung wurde 1933 mit der „Allgemeinen Häuserbau" im Zentrum der Ahag-Konzern geschaffen, in dem sie 1937 auch endgültig aufging.

 

Im Jahre 1943 wurde das Bürogebäude „durch höhere Gewalt" mit einem großen Teil der Bücher und Schriften vernichtet; der Gewinn für das Jahr 1942 konnte nur auf Grund der noch vorhandenen Unterlagen ermittelt werden. Die Gesellschaft besaß noch Bauterrains in einer Größe von immerhin 812.437 m², wovon 161.663 m² bebaut waren in

Berlin-Zehlendorf, Mitte,

Berlin-Reinickendorf (14.781 m² Grüner Weg, Kremmener Eisenbahn, Kopenhagener Straße mit 196 Wohnungen)

Berlin-Tegel, Bernauer Straße (19.924 m² mit 246 Wohnungen in 31 Häusern) sowie in Schneidemühl (im damaligen Pommern, direkt an der polnischen Grenze)

und außerdem in Podejuch, Deutsch-Krone, Woldenberg, Iserlohn, Ludwigsburg, Kornwestheim und Flensburg

 

Beteiligungen 1943:

Fea-Werke GmbH, Schneidemühle

Ostbau Gesellschaft für Eisenbeton- und Tiefbau mbH, Berlin

Siedlungs-Gesellschaft mbH Klein-Machnow, Berlin

Haus und Heim Wohnungsbau-AG, Berlin (Link)

 

1950 Berliner Wertpapierbereinigung.

 

Die Gesellschaft ging schließlich im Jahre 1952 als

Bau- und Holzindustrie Verwaltungs AG (seit 1945)

nach einem gescheiterten Vergleich in Anschlusskonkurs.

 

1957 von Amts wegen gelöscht.

 

Literatur- und Quellennachweis:

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

# 208

Kress, Celina

Lukas Verlag

Adolf Sommerfeld / Andrew Sommerfeld –Bauen für Berlin 1910 - 1970

 

Peus, Dr. Busso (Hrsg.)

Der Reichsbankschatz, Auktionskataloge Nr. 1 bis 5 aus 2003, 2004/2005, 2006, 2008