Heimstätten-Aktien-Gesellschaft in Berlin

 

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Die Gesellschaft

 

Die Gesellschaft wurde am 23.12.1893 gegründet.

 

Zweck war der Erwerb und Verkauf von Ländereien, Bebauung von Grundstücken. Die Heimstätten-Aktien-Gesellschaft in Berlin baute am südöstlichen Rand des Grunewaldes um den Schlachtensee und Nikolassee, sowie in Karlshorst und Mahlow.

 

Die Gesellschaft errichtete selbst auch Landhäuser – u.a. an der Waldemarstraße in Zehlendorf. Sie pries diese Häuser um das Jahr 1900 als "ein sehr ansprechendes Junggesellenheim" an. Der Kaufpreis lag bei 16.000 Mark und entsprach damit einer 10-fachen Jahresmiete für eine 5-Zimmer Wohnung.

 

Aus dem Verkaufsangebot von 1905:

Preise der Baustellen, einschliesslich Strassenbefestigung, Bürgersteige und Alleebäume.

In Nikolasse kostet  1 qm je nach Lage Mk. 11-17 = Mk. 156-241 pro Rute

       (eine qR waren damals ca. 14,2 m²)

In Schlachtensee-West1 qm je nach Lage Mk. 11-12 = Mk. 156-170 pro Rute;

Direkt am See belegenen Parzellen zu erhöhten Preisen.

Gas- und Wasserleitung sind vorhanden (Gymnasium, höhere Töchterschule und Kirche in Zehlendorf).

Für die Besichtigung wurde auch die Bereitstellung eines Automobils angeboten.

 

Im Jahre 1900 wurde ein ca. 400 Morgen (= rd. 1 Mio. m² / 1 km² - ein Morgen entsprach damals 2.552,22 m² = 180 qR) großes Gelände erworben. Es lag westlich der Kolonie Schlachtensee-West, umgrenzt das 3 km lange Wiesenthal (Rehwiese) und den Nikolas-See, nach welchem die neue Kolonie und deren 1902 eröffneter Bahnhof genannt wurde. Es reichte bis an den Bahnhof Wannsee. Seit dem Bestehen der Gesellschaft wurden bis Ende 1913 insgesamt 806 Baustellen verkauft und 279 Wohngebäude errichtet.

 

Ende 1913 betrug der Besitz an verkäuflichen Baustellen

In Nikolasse 375.449 m², in Schlachtensee einschließlich Seeparzellen 48.167 m² und in Karlshorst 10.308 m².

 

In den besten Jahren zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Dividenden bis zu 16 %, in einem Jahr sogar 20 % ausgeschüttet. Der Vorstand schätzte den Wert einer Aktie auf 230 %.

 

Bis 1925 war die Herstellung der Strassen, Plätze etc. in der Kolonie Nikolassee beendet, ebenso der Bau einer Kirche, des Friedhofes sowie einer Schule. In Zehlendorf-Süd wurde 1920 ein 50 Morgen großes Gelände für Siedlungszwecke sowie ein Gelände am Schlachtensee erworben.

 

Bis in das Jahr 1926 wurden noch Dividenden bis zu 11 % ausgeschüttet – danach gab es nichts mehr.  Durch die Immobilienrezession Anfang der  Dreißiger  Jahre; verlor die Gesellschaft die Hälfte des Grundkapitals. Aus dem Aktienhandbuch 1932:

„Über die am 07.01.1932 eröffnete und nach Bestätigung des Vergleiches am 12.02.1932 wieder aufgehobene Vergleichsverfahren wurde seitens des Vorstandes folgendes mitgeteilt.: Die nunmehr seit Jahren anhaltende Wirtschaftskrise hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Formen angenommen, die nur als „katastrophal“ bezeichnet werden können. Der Grundstücksmarkt bietet ein Bild schwerster Erschütterung. Auch wir konnten uns trotz aller Anstrengungen den Einwirkungen dieser Entwicklung nicht entziehen. Wir wurden betroffen von der Verlängerung der Zahlungsrist für Aufwertungshypotheken über den 1. Jan. 1932 hinaus (III. Notverordnung). Schwerer traf uns die völlige Ablehnung weiterer Hauszinssteuermittel für den Wohnungsbau seitens des Reiches. Verschiedene,  teilweise notariell vereinbarte Optionskaufverträge über Teilgelände aus unserem Besitz konnten infolgedessen nicht abgeschlossen werden. Die gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften waren gezwungen, ihre Siedlungsprojekte aufzugeben. Unsere Bereits im Vorjahre angespannte finanzielle Lage ist durch die Unmöglichkeit, Verkäufe zu tätigen, so ungünstig beeinflusst worden, dass wir im März des neuen Geschäftsjahres ein Vergleichsverfahren für die ungesicherten Gläubigerforderungen mit dem Ziel eines einjährigen Moratoriums durchführten. ... Die Ges. verfügt über 48.000 qm Grundstücke an regulierten Strassen u. 224.289 qm an unregulierten Strassen. Der Einheitswert der Grundstücke allein stellt sich auf RM. 1,78 Mill. ...“

 

Im Jahre 1934 ging die Gesellschaft in Konkurs; sie wurde im Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften aus 1943 nicht mehr aufgeführt.

 


Literatur- und Quellennachweis

 

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

Peus, Dr. Busso (Hrsg.)

Der Reichsbankschatz, Auktionskataloge Nr. 1 bis 5 aus 2003, 2004/2005, 2006, 2008

 

Pharus-Pläne, Nachdrucke

Scharnhorststraße 25, 10115 Berlin – Webseite www.pharus.eu

 

Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.);

Ernst & Sohn, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH, Berlin, 1995

Stadt Haus Wohnung – Wohnungsbau der 90er Jahre in Berlin