Terraingesellschaft Berlin-Südwesten

Beschreibung der Gesellschaft

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Link zu einem "Rundgang durch das Rheingauviertel am 23.06.2001"

Die Gesellschaft

 

Die Gesellschaft wurde am 04.09.1895 mit einem Kapital von 6,2 Mio. Mark gegründet und war eine der bedeutenden Gesellschaften für den Raum Wilmersdorf/Friedenau. Sie wurde gegründet, um ein Terrain des Konsortiums Disconto-Gesellschaft/Dresdner Bank und Wiener Bank/ Levy & Co. zu übernehmen. Das Grundstück mit einer Größe von ca. 700.000 m² lag zwischen der

S-Bahn im Norden, der

Kreuznacher Straße im Süden sowie der

Laubacher Straße im Osten und dem Terrain der

Wilmersdorfer Terrain Rheingau Aktiengesellschaft , nach der Häuserreihe in der Niederwaldstraße im Westen.

 

In den ersten Jahren wurden keine Verkäufe abgewickelt, da man sich mit der Gemeinde nicht über den Bebauungsplan einigen konnte. Als sich eine Verständigung abzeichnete, erwarb die "Südwesten" im Jahre 1905 weitere Grundstücke hinzu, um eine einheitliche Bebauung zu gewährleisten. Der größte Teil kam von der Berlinischen Bodengesellschaft. Diese erwarb im Jahre 1906 eine Mehrheit an der "Südwesten" und übernahm damit die Kontrolle der Gesellschaft. Schließlich kaufte man noch einige Häuser zurück, die man in den Jahren zuvor veräußert hatte. Das Terrain umfasste danach etwa 87,5 ha, welche mit rund 13,4 Mio. Mark in den Büchern standen - das waren 15,00 Mark/m². Die Grundstücke sollten entweder baureif gemacht oder gleich mit dreigeschossigen Mietshäusern bebaut werden. Aus dieser Bauperiode sind viele prächtige Häuser erhalten geblieben.

 

Bereits am 30.11.1911 trat die Gesellschaft in die Abwicklung, nachdem der Reservefonds die gesetzliche Höhe von 10% des Aktienkapitals erreicht hatte.

1919/1920 wurde der an der Hanauer Straße gelegene Block an eine gemeinnützige Siedlungs-gesellschaft verkauft.

1923/1924 begann die Gesellschaft mit dem Bau von Einfamilienhäusern.

1924/1925 kaufte die Heimstätten-Siedlung, Berlin-Wilmersdorf, Gemeinnützige Aktiengesellschaft ein Areal von 8.822 m² Fläche. Der Kaufpreis wurde der AG gestundet und wurde unmittelbar hinter der ersten Hypothek dinglich gesichert.

1928/1929 wurden 54.712 m² an gemeinnützige Gesellschaften veräußert. Durch diese Verkaufstätigkeit wurde eine Ausschüttung von 100 RM je Aktie möglich.

1929 – 1942 wurden kontinuierlich weitere Grundstücke verkauft, die weitere Ausschüttungen ermöglichten.

1935 gelangte die sechste Abwicklungsrate in Höhe von 25 Mark zur Anweisung; damit waren zu diesem Zeitpunkt insgesamt 575 Mark auf eine Aktie von 1000 Mark ausgeschüttet. Weitere 325 Mark wurden in sechs weiteren Raten gezahlt. Somit wurden zwölf Liquidationsraten ausgezahlt. Die Höhe der einzelnen Liquidationsraten ist auf der Rückseite der Aktien vermerkt.

1943 gehörten der Gesellschaft noch 7.528 m² „im besten Teil des Berliner Westens gelegene Grundbesitz“ sowie zwei Zweifamilien-Hausgrundstücke. Hauptaktionäre waren zu diesem Zeitpunkt die Dresdner und die Deutsche Bank sowie wiederum die Berlinische Boden-Gesellschaft (s.o.)

 

 

Der Rüdesheimer Platz

 

Der Rüdesheimer Platz als Mittelpunkt des gesamten Areals wurde ursprüngliche von H. Berg und Hermann von Hoven als Preisträger eines Wettbewerbs der Terraingesellschaft Berlin-Südwest (1910) geplant. An dem Wettbewerb nahmen rd. 300 Künstler teil; er fand deutschlandweite Beachtung. Trotz einer Größe von 17.000 m² und sechs einmündenden Straßen ist der Platz aufgrund der maßstäblichen Randbebauung in sich geschlossen. 1909 erhielt der Platz seinen Namen. Straßennamen und Skulpturenschmuck beziehen sich auf das damals beliebte Reiseziel Rheingau. Übrigens plante man die Straßen und Plätze damals so, dass möglichst viele Eckbebauungen möglich waren; hier ließen sich höhere Preise erzielen.

 

Das Gelände um den Platz (einschließlich der U-Bahn) wurde letztlich von der Berlinische Boden-Gesellschaft bebaut. Georg Haberland, der Direktor der Gesellschaft, schrieb seinerzeit: „Man hatte damals den törichten Einfall, sogenannte Bauwiche (heute: „Abstandsgrün“) zwischen die Häuser zu legen, die einen geradezu abscheulichen Eindruck machten“. Um die Behörden dann doch noch von einer geschlossenen Blockrandbebauung zu überzeugen, will er begrünte Terrassen vor die Fassaden bauen lassen. Da bei der Einweihung die Pflanzen noch nicht angewachsen sein konnten, wurde Tannenreisig an die Spaliere gebunden. Außerdem wurden in großen Blumenkästen Papierrosen „gepflanzt“. Anscheinend wurde diese Täuschung nicht erkannt.

 

Mit dem "Rheinischen Viertel" entstand in Berlin vor dem 1. Weltkrieg die größte einheitliche Mietshausbebauung. Die Terraingesellschaft legte Bebauungsplanung und Gestaltung des Großteils der Häuser in die Hand eines Architekten: Paul Jatzow. Jatzow hatte die auf Rendite bedachten Vorstellungen des Bauträgers in ein ansprechendes Gesamtbild zu übersetzen. Den Charakter der Straßen gestaltete er einheitlich, die einzelnen Details vielansichtig und mannigfaltig. Außer an den Ecken, an die er Kopfbauten setzte, wurde der Raum zwischen den Hausfronten bis auf 44 m verbreitert. Dies war durch die Änderung der Baupolizeiordnung von 1887 und die Aufhebung der Bauwiche möglich geworden. Vor den Häusern liegen nicht die üblichen eingezäunten Vorgärten, sondern zehn Meter tiefe, leicht ansteigende Grünflächen, die sogenannten Gartenterrassen.

 

Jatzow versuchte, Stilelemente des englischen Landhausbaus auf die vier- bis fünfgeschossige Wohnbebauung zu übertragen. Fachwerk, vielgestaltige Dachformen, verschieferte Erker, Rosenspaliere und Sprossenfenster zielten auf die Interpretation des Landhauses ab. Durch die Verwendung typischer Materialien wie Biberschwanzziegel und dunkelgelb eingefärbten Putz wurde dieser Eindruck verstärkt. Der Krieg unterbrach die Entwicklung des Stadtteils, vielfach sind die durch die Seitenflügel gebildeten Höfe offen geblieben.

 

Auch heute ist der Rüdesheimer Platz und seine Umgebung eine der schönsten Wohngegenden in Berlin – die ursprüngliche Bebauung ist im Krieg entweder kaum zerstört oder behutsam wieder aufgebaut worden. Rund um den Platz gibt es eine Menge toller Restaurants, im Sommer kann man ganz herrlich im Freien sitzen – zumindest dann wenn das Wetter etwas besser ist als im Jahr 2011. Auch die Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf sind toll ... ohne großartige Einkaufstempel. Die Verkehrsanbindung ist durch die U-Bahn und S-Bahn sowie Busse hervorragend, Parkplätze sind allerdings Mangelware.

 

 

Wilmersdorf:

 

Wilmersdorf gehörte bis Anfang 1907 als selbständiger Stadtkreis zum Kreis Teltow.

„Deutsch-Wilmersdorf“ erhielt am 01.04.1907 die Stadtrechte.

Durch das Gesetz vom 27.04.1920 wurde die

   „Gemeinde Wilmersdorf“ mit den Landgemeinden bzw. Gutsbezirken

Schmargendorf, Grunewald sowie Wilmersdorf, Stadt

mit immerhin 157.944 Einwohnern in die neue Stadtgemeinde Berlin integriert.

 

 

Literatur- und Quellennachweis:

 

Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Internet-Seite

Link zu einem Rundgang durch das Rheingauviertel am 23.06.2001

 

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

Peus, Dr. Busso (Hrsg.)

Der Reichsbankschatz, Auktionskataloge Nr. 1 bis 5 aus 2003, 2004/2005, 2006, 2008

 

Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.);

Ernst & Sohn, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH, Berlin, 1995

Stadt Haus Wohnung – Wohnungsbau der 90er Jahre in Berlin