Reichsbank

und

Reichsbankschatz

Lageplan

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Vor 1945

Die Deutsche Reichsbank hatte die Stellung einer Wertpapiersammelbank und konnte Wertgegenstände, insbesondere Wertpapiere, in Verwahrung und Verwaltung nehmen. Somit war es möglich, dass andere Kreditinstitute Wertpapiere, die ihnen unverschlossen zur Verwahrung anvertraut wurden, der Deutschen Reichsbank zur Sammelverwahrung anvertrauen konnten.

 

Das Gebäude der Reichsbank befand sich ursprünglich zwischen der Oberwallstraße und der Kurstraße. In den 1930 Jahren wurde ein neues Haus auf der anderen Seite der Kurstraße bis zur Unterwasserstraße am Spreekanal errichtet.

 

Die Kreditinstitute wurden 1942 ermächtigt, alle sammelverwahrungsfähigen Wertpapiere, bei denen der Kunde nicht ausdrücklich widersprochen hatte, in die Sammelverwahrung an die Reichsbank zu geben. Darüber hinaus verfiel das Vermögen, damit natürlich auch Wertpapiere, von rassisch Verfolgten auf Grund der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz aus 1941. Das Gleiche galt bei einer Verfügung des Geheimen Staatspolizeiamtes; Wertpapiere wurden zu Gunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Durch einen Erlass vom 30.04.1942 ordnete der Reichsminister der Finanzen an, dass sämtliche dem Reich „angefallenen Wertpapiere“ an die Deutsche Reichsbank bzw. die Preußische Staatsbank abzuliefern waren.

 

Letztlich war das die Hauptursache dafür dass sich ein sehr großer Anteil an den vor dem 08.05.1945 ausgegebenen Wertpapiere bei Kriegsende in Berlin befand.

 

Das neue Gebäude der Reichsbank wurde zwar durch Kriegseinwirkungen beschädigt, wurde aber kurz nach dem Krieg instandgesetzt.

 

Zwischen 1945 und 1989 - DDR-Zeit

 

Ende April 1945 kamen die Bankinstitute im Stadtzentrum Berlins unter sowjetische Besatzung. Damit hatte die sowjetische Besatzungsmacht Zugang zum Hauptsitz der Deutschen Reichsbank sowie den Zentralen der drei Großbanken – Deutsche Bank (Link), Commerzbank und Dresdner Bank. Bereits am 28.04.1945 untersagte der Befehl Nr. 1 des Chefs der Besatzung der Stadt Berlin den Banken die allgemeine Geschäftstätigkeit:

„Inhaber von Bankhäusern und Bankdirektoren haben alle Finanzgeschäfte zeitweilig einzustellen. Alle Safes sind sofort zu versiegeln“.

Damit waren alle in den Depots der geschlossenen Banken lagernden Wertpapiere blockiert.

 

Nach der Auflösung der Bankenkommission am 31.12.1950 gingen verwaltungshoheitlich sämtliche Tresore in ‚Berlin (Ost) mit ihrem Inhalt auf das damalige Ministerium der Finanzen der DDR – Tresorverwaltung- über.

 

Bereits vor der Wende kamen immer wieder Teile der Wertpapierbestände der Reichsbank in die Bundesrepublik – natürlich ohne Entwertungslochung. Auch hier war Herr Schalck-Golodkowski mit seiner KoKo (kommerzielle Koordinierung im DDR Ministerium für Außenhandel) engagiert. Ein Beteiligter schilderte den Vorgang so:

Vor der Wende hatte er Besuch von einem Herrn der KoKo bekommen – der Kofferraum seines Autos war voller Wertapiere. Die Papiere wechselten gegen 100.000,00 DM (natürlich in bar) sowie einem  METRO- und Puff-Besuch den Besitzer. Das erfolgte sicherlich mehrmals – neben den (eigentlich wertlosen, in erster Linie für Sammler interessanten) Wertpapieren wurden natürlich auch andere Kunstschätze, Sammlungen und dergleichen gegen dringend benötigte Devisen „eingetauscht“.

 

Aber die Wertpapiere wurden nicht nur dem Sammlermarkt zur Verfügung gestellt. Ein Beispiel für Aktienspekulationen, an der sich auch die DDR beteiligte ist die Terrain-Gesellschaft am Teltow-Canal (Link zur Gesellschaft).

 

Ab 1989 - nach der Wende

Nach der Prüfung von eventuellen Restitutionsansprüchen wurden ca. 26 Mio. Deutsche Wertpapiere von dem Auktionshaus Dr. Busso Peus Nachf. In vier Auktionen von 2003 bis 2008 versteigert. Besonders interessant war die letzte Auktion, bei der über 10.000 Posten von Aktien, Anleihen und Anteilscheine von unterschiedlichen Gesellschaften in sehr kleiner Stückzahl – teilweise handelte es sich um Einzelstücke unter den Hammer kamen.

 

Inzwischen hat sich der Sammlermarkt wieder beruhigt. Die Papiere, die in sehr großer Stückzahl in den ersten Auktionen in 2003 und 2005 in sehr hoher Stückzahl auf den Markt kamen, gehen bei ebay teilweise zu 1,00 € weg. Die Papiere aus den beiden letzten Auktionen 2006, insbesondere aber 2008 versprechen auch in der Zukunft noch vernünftige Preise. Ich weise bei den Beschreibungen der Gesellschaft auch immer auf die BARoV-Versteigerungen hin ...  wenn sie denn dort versteigert wurden.

 

Das alte Gebäude der Reichsbank

Auf dem Gelände befinden sich die vor wenigen Jahren errichteten "townhouses" = mehrgeschossige Scheibchenhäuser von verschiedenen Architekten. Dadurch sollte individuelles Wohnen, mitten in der Stadt ermöglicht werden. Natürlich sind auch die Fassaden unterschiedlich gestaltet.

Das neue Gebäude der Reichsbank aus den 1930er Jahren

Seit 1999 bildet das ehemalige Reichsbankgebäude zusammen einem Neubau (errichtet 1997 bis 1999), die über einen Hof verbunden sind, den Hauptsitz des Auswärtigen Amtes. Im zweiten Geschoss der früheren Reichsbank befindet sich nun das Ministerbüro. Generalplaner für die Umbauarbeiten war Prof. Hans Kollhoff Ziel des Umbaus war es, einerseits die Geschichte nicht zu übertünchen und Elemente aus der Vergangenheit des Baus sichtbar zu lassen, andererseits aber auch neue Akzente zu setzen. Dies geschah unter anderem durch großflächige Arbeiten des Künstlers Gerhard Merz.

 

Die ehemaligen Tressorräume der Reichsbank, in denen früher - neben einer Menge Goldbarren - auch die Aktienurkunden aufbewahrt wurden, beherbergen jetzt das Archiv des Ministeriums. Die Räume erstrecken sich immerhin über vier unterirdische Etagen. Gegen Einbrüche von außen (diese Angst beatand zu Reichsbankzeiten, weniger bei den jetzigen Nutzern) gibt es zwei getrennte Grundmauern, die mit Eisenplatten bewehrt sind. Sollte wirklich einmal eine Mauer durchbrochen werden, wird der Zwischenraum zwischen den beiden Mauern geflutet ... und damit eventuell auch die eigentlichen Lagerräume. Für den ursprünglich gelagerten Goldschatz war das sicherlich sinnvoll; für das heutige (in erster Linie Papier-) Archiv wäre das eher nachteilig. Aber wer bricht schon in den Keller des Außen-ministeriums ein.

 

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