Deutsche Bank (Restquoten)

Dresdner Bank (Restquoten)

 

SUPPES Ausgabe- Auflage + Art des Wertpapiers Nenn- Währung
Nr. Datum       Wert  
7.365 09.1952   Aktie 100 RM
 8.717  09.1952    Aktie    100  RM

 

 

Die Aktien aus 1952 lauteten über Reichsmark (RM), nicht DM.

Die Deutsche Bank AG war beteiligt an der Berlin-Charlottenburger Bauverein Actien-Gesellschaft, s.a. Berliner Makler-Verein (Link)

 

Die Aktie aus 1952, also 4 Jahre nach der Währungsreform, lautet noch über Reichsmark (nicht DM), es handelt sich um eine sogenannte Restquote, über die von der Historischen Gesellschaft der Deutschen Bank e.V., Ausgabe Nr. 7 vom Februar 2005 ausführlich wie folgt berichtet wurde.

 

 

Das Gesetz über den Niederlassungsbereich von Kreditinstituten von 1952 ermöglichte die Ausgründung des westdeutschen Geschäfts der Deutschen Bank in drei regional, rechtlich voneinander unabhängige Nachfolgeinstitute. Am 25.09.1952 faßte in Berlin eine außerordentliche Hauptversammlung den entsprechenden Beschluß. Die Aktionäre der Altbank erhielten im Umtausch Aktien der neuen Institute. Auf jede alte Aktie der Deutschen Bank im Nennwert von 1000 Reichsmark entfielen insgesamt nominal 625 DM neue Aktien, und zwar 125 DM Aktien der Norddeutschen Bank, 250 DM Aktien der Rheinisch-Westfälischen Bank und 250 DM Aktien der Süddeutschen Bank. Das Grundkapital der drei Nachfolgebanken betrug insgesamt 100 Mio. DM (s. Anmerkung), aufgeteilt im Verhältnis 20:40:40. Daneben erhielten die Aktionäre für etwa verbleibendes, nicht ausgegründetes Restvermögen auf Reichsmark lautende neue Aktienurkunden, für die sich die Bezeichnung Restquoten einbürgerte. Sie verbrieften einen Anspruch auf das enteignete Restvermögen der Altbank in der DDR und in Polen und waren somit vergleichbar mit Besserungsscheinen oder Liquidations-Anteilscheinen, wie sie von anderen Unternehmen mit ehemals großen Vermögen im Osten ausgegeben wurden. Umtausch und Ausgabe der neuen Aktien fand 1953 / 54 statt.

Die Bildung der "Dreiergruppe" war der erste Schritt auf dem Weg zum Wiederzusammenschluß. Dieser kam im Jahre 1957 zustande, nachdem 1956 das Gesetz zur Aufhebung der Beschränkung des Niederlassungsbereichs von Kreditinstituten die Sondergesetzgebung beseitigt hatte. In drei Hauptversammlungen beschlossen die Aktionäre die Verschmelzung zur Deutschen Bank AG mit Sitz in Frankfurt am Main. ....

Der Charakter der Altbank als „ruhendes Institut“ blieb von der Vereinigung unberührt. Wegen der besonderen politischen Lage West-Berlins wurde die Berliner Disconto Bank nicht in die Fusion einbezogen.

 

Die Restquoten waren stets ein „Hoffnungswert“. Ausschüttungen gab es niemals. Ihr Börsenkurs schwankte stark, je nachdem, wie die Aussichten für die deutsche Wiedervereinigung eingeschätzt wurden. Dazu kamen immer wieder von Börsengerüchten getriebene Spekulationswellen, die die Kurse in die Höhen trieben, die durch den materiellen Wert der Restquoten nicht gerechtfertigt waren. Die Commerzbank-Restquote stiegen 1997 bis auf einen Kurs  von fast 100 DM als Folge juristischer Streitigkeiten um das Recht am Namen Commerzbank.

 

Nachdem die Altbanken 1983 wegen Vermögenslosigkeit im Handelsregister gelöscht worden war, wurde auch die Börsennotierung der Restquoten eingestellt. Die Dresdner Bank tat das gleiche, nur die Altbank der Commerzbank gibt es bis heute. Es gab jedoch noch jahrelang gerichtliche Auseinandersetzungen um die Rechtmäßigkeit der Löschung. 1990 wurden vorsorglich Rückübertragungsansprüche für Grundstücke und sonstige Vermögen angemeldet. Die zuständigen Stellen lehnten diese Ansprüche jedoch ab, da für Enteignungen zwischen 1945 und 1949 (Anmerkung: also aufgrund alliierter Beschlüsse) eine Restitution ausgeschlossen war. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte diese Regelung, womit eine Rückgabe des Altbankvermögens endgültig ausgeschlossen war. Staatliche Ausgleichsleistungen, die in solchen Fällen grundsätzlich möglich waren, schieden gleichfalls aus, so daß die Hoffnungen auf „Ostvermögen“ endgültig begraben werden mussten: Die Altbank blieb weiterhin wertlos.

 

zusätzlicher Literaturhinweis:

Hans-Georg Glesemann: Die Restquoten der Großbanken; in: Die Bank, Heft 10, Oktober 1997, Seite 624 – 628

 

 

Anmerkung: Am 14.09.2010 meldete die Berliner Morgenpost, dass die Deutsche Bank für den Erwerb von zusätzlichen Anteilen der Postbank (dann 51 %) und zur Steigerung der Eigenkapitalquote (Im Vorgriff auf Basel III) neue Aktien in einer Größenordnung von 7,7 bis 10 Mrd. Euro emitieren will. Die Bank hat inzwischen 77.000 Mitarbeiter, die Bilanzsumme liegt bei 1.500 Mrd. Euro. Das alles nach der Neugründung vor knapp 60 Jahren mit einem Kapital von rd. 50 Mio. Euro. Im Oktober 2010 wurde die Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien tatsächlich durchgeführt. Der Zufluß an neuem Kapital lag bei deutlich über 10 Mrd. Euro. Die Geschäftsentwicklung der Deutschen Bank seit Ende des 2. Weltkrieges war enorm.

 

Übrigens: auch die Berliner Bank gehört inzwischen, nach den geplatzten Träumen einer großen, international vertretenen Bankgesellschaft Berlin, zur Deutschen Bank. Aus der Bankgesellschaft Berlin wurde wieder eine nur regional tätige Sparkasse.

 

Fortsetzung in 2016: Die Deutsche Bank hat durch Immobiliengeschäfte in der USA erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten; der Name bzw. die Marke "Berliner Bank" veschwindet aus dem Stadtbild.