Deutsche Ansiedlungsbank in Berlin

Deutsche Ansiedlungsgesellschaft

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Aktie aus April 1923

Genußrechtsurkunden aus 04.1926

Aktie aus 10.1928

Die Gesellschaft

Die Gründung der Gesellschaft erfolgte am 05.02.1898.

Ursprünglicher Zweck: Erwerb und Veräusserung von Liegenschaften im Deutschen Reich; landwirtschaftlicher Betrieb auf den erworbenen, zur Veräusserung bestimmten Liegenschaften oder deren Verpachtung; Bildung neuer Nahrungen1 in Form von freien oder Rentengütern, ….Förderung der Ansiedlung und zur Förderung der Landwirtschaft im allgemeinen.

 

1 i.S. von „Ackernahrung“ = verschiedene Düngemittel

 

Zweck war also die Terrainentwicklung insbesondere für den landwirtschaft-lichen Bereich. Das erfolgte durch den Ankauf größerer landwirtschaftlicher Liegenschaften, Rittergütern und deren Aufteilung zum Zwecke der landwirtschaftlichen Ansiedlung. Beispielsweise wurde  das

  • bereits im Jahr 1898 erworbene Rittergut Seegefeld (Link), Kreis Osthavelland (heute ein Ortsteil von Falkensee – Link) , in Bauparzellen aufgeteilt; es wurden viele hundert ländliche Eigenheime geschaffen und der Gutsbezirk in die Gemeinde Falkensee eingemeindet. Außerdem wurden das
  • Rittergut Kodersdorf (Rothenburg/Oberlausitz in Sachsen) sowie das
  • Rittergut Petersdorf (Kreis Sagan in Schlesien, heute Polen, östlich von Cottbus)  und das
  • Gut Liepe (Kreis Oberbarnim, Brandenburg)

in einzelne Siedlungsstellen aufgeteilt.

 

1929 wurde die Deutsche Ansiedlungsbank von einem deutsch-schweizerischen Konsortium unter tätiger Führung der Kreditanstalt für Verkehrsmittel AG (Link) übernommen.

 

Zum Beginn der 1930er Jahre war die

Kreditanstalt für Verkehrsmittel A.G. Berlin

bei den folgenden Gesellschaften beteiligt:

AG für Industrie-Unternehmungen am Friedrichshain – Berlin (Link)

Deutsche Ansiedlungsbank

Kaiser-Keller AG (Link)

 

Zweck war weiterhin der Ewerb und die Bewirtschaftung sowie Veräusserung von Grundstücken innerhalb des Deutschen Reiches; Bildung neuer Ackernahrungen in Form von freien oder Rentengütern aus eigenen oder nicht eigenen Grundstücken; sonstiger Geschäftsbetrieb zur Förderung der Ansiedlung und der Landwirtschaft.

 

Im Aufsichtsrat saß als Vertreter der Dresdner Bank Dr. Walter Frisch (stellvertretender AR-Vorsitzender).

 

Immerhin arbeitete die Gesellschaft, anders als die Kaiser-Keller AG, recht erfolgreich. Sie hatte in den Jahren 1926 bis 1929 Dividenden in Höhe von jeweils 7 %, 1931 sogar 8 % ausgeschüttet.

 

Die Deutsche Ansiedlungsbank ging mit der Liquidation der Kreditanstalt für Verkehrsmittel im Jahr 1931 vollständig an die Dresdner Bank (Link) über und wurde 1939 an die reichseigene Deutsche Umsiedlungs- und Treuhand GmbH abgegeben, die sich zu einem wichtigen Instrument der nationalsozialistischen Siedlungs- und Rassenpolitik entwickelte.

Der Name wurde 1936 in Deutsche Ansiedlungsgesellschaft (bewußt ohne das „AG“ im Namen) geändert; die Aktiengesellschaft agierte jetzt in erster Linie im Auftrage der Nazis und realisierte das Ziel des damaligen Regimes, den Osten Europas zu besiedeln. Der AR der Gesellschaft wurde mit hochkarätigen SS-Führern besetzt. Sowohl der Grundbesitz als auch die Bilanzsummen erhöhten sich rasant. Von 1938 bis 1942 hat sich die Bilanz von 41 Mio. RM auf 90 Mio. RM verdoppelt. Im gleichen Zeitraum vergrößerte sich der eigene Grundbesitz von 8.867 auf 70.161 Morgen. Darüber hinaus waren der Gesellschaft noch weitere Grundstücksflächen u.a. vom Oberkommando des Heeres „anvertraut“. Sie bewirtschaftete zuletzt insgesamt 160.000 ha Flächen - zu einem Großteil in den von Deutschland besetzten Ostgebieten.

 

In den Jahren vor 1943 hatte die Gesellschaft unter Mitwirkung der Kulturämter mehreren hundert in Posen „ihrer Scholle beraubten“ Landwirten die Möglichkeit gegeben, „sich eine neue Heimat zu gründen“, wie es wörtlich im Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften 1943 heißt, 1934 wurden rund 20.000 Morgen Siedlungsgüter angekauft. Ab 1938 Ausdehnung des Arbeitsgebietes auf die besetzten Gebiete, 1939 Errichtung von Geschäftstellen in Innsbruck und Mährisch-Schönberg (Mähren liegt in Tschechien). Im Rahmen der Umsiedlung volksdeutscher Bauern aus Südtirol wurde die Gesellschaft mit der Beschaffung von Ersatzhöfen in Tirol-Vorarlberg beauftragt. Am Ende des Jahres 1939 wurden in den sudetendeutschen Gebieten 724 landwirtschaftliche Betriebe mit rd. 53.100 ha treuhänderisch bewirtschaftet.

 

1940: im Rahmen der „Umsiedlung Südtirol“ wurde der Auftrag zur Beschaffung von Ersatzhöfen auf Kärnten ausgedehnt. Zusätzlich wurden weitere Aufgaben übernommen – wie Taxationsarbeiten im Rahmen der Rücksiedlung „volksdeutscher“ Bauern aus Russland, Estland, Lettland sowie dem Generalgouvernement und Rumänien.

 

1951 Berliner Wertpapierbereinigung, 1952 Konkursverfahren, 1953 wurde die Gesellschaft aufgelöst und 1958 nach Abwicklung von Amts wegen gelöscht.

 

Literatur- und Quellennachweis:

Bähr, Johannes, Schneider, Andrea H.

Herausgeber: Piper Verlag GmbH, 2006

Teilzahlung im Wandel:

Von der Kreditanstalt für Verkehrsmittel AG zur Diskont und Kredit AG 1924-1951

 

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

Peus, Dr. Busso (Hrsg.)

Der Reichsbankschatz, Auktionskataloge Nr. 1 bis 5 aus 2003, 2004/2005, 2006, 2008