"VATERLAND" Deutsches Kaffeehaus. G.m.b.H. Berlin.

 

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Die Gesellschaft

Die Gesellschaft betrieb das Kaffeehaus im Haus Vaterland. Eigentümerin der Immobilie war die Grundstücksaktiengesellschaft am Potsdamer Platz (Haus Vaterland) - Link zur Gesellschaft.

 

Das sechsstöckige Gebäude wurde von Febr. 1911 bis Febr. 1912 von dem Architekten Franz Schwechten zunächst als “Haus Potsdam” unmittelbar östlich des Potsdamer Bahnhofs errichtet. Ursprünglich beherbergte es neben Büroräumen und einem Filmtheater der Universum-Film-AG, das 2,500 Sitzplätze große Café Piccadilly im Erdgeschoss.  Dieses wurde 1914 in Vaterland Deutsches Kaffeehaus umbenannt.

 

1928 übernahm Kempinski die Gesellschaft und somit das Haus Vaterland am Potsdamer Platz Die Kempinski-Unternehmungen wurden in den 1930er Jahren nach und nach arisiert – ein Teil ging an die Aschinger AG oder deren Tochtergesellschaften. Die Gesellschaft war 1943 eine Beteiligung der F. W. Borchardt Weinhaus und Handels-Ges. m.b.H., Berlin, die wiederum eine Mehrheitsbeteiligung (fast 100%) der Aschinger AG, Berlin war.

 

Der Umbau zur Großgaststätte durch Carl Stahl-Urach erhielt 1929 den Namen “Haus-Vaterland-Betrieb Kempinski”. Das Haus Vaterland wurde nun von der Firma OHG M. Kempinski & Co. betrieben. Der repräsentative Bau brannte bei Luftangriffen 1943 teilweise aus. 1944 stand das noch benutzbare Kaffee Vaterland als Wehrmachtsheim für durchreisende Soldaten zur Verfügung, in dem jede Nacht Unterhaltungsveranstaltungen stattfanden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lag das Gebäude im sowjetisch besetzten Sektor Berlins.

 

Die Räume des Kaffees wurden mit einfachen Mitteln und schlichtem Mobiliar wieder hergerichtet und unter dem Namen “Haus Vaterland” zuerst als Aschingerbetrieb  und kurze Zeit später, nach Enteignung der Aschinger AG als HO-Gaststätte noch wenige Jahre bis zum Juni 1953 weiterbetrieben.

 

Nach Brandstiftung während des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 brannte das Gebäude schließlich völlig aus. Zunächst auf dem Gebiet Ost-Berlins im Grenzstreifen gelegen, kam die große Ruine am 21.7.1972 durch Gebietstausch zusammen mit dem Gelände des 1952 endgültig stillgelegten Potsdamer Bahnhofs zu West-Berlin. 1976 wurde die Ruine aus Verkehrssicherungsgründen abgetragen.

 

Heute steht an dieser Stelle ein Büro- und Geschäftshaus, das zum Ensemble der Park Kolonnaden gehört, dessen Kopfbau durch die geschwungene Fassade architektonisch entfernt an die äußere Gestalt des Hauses Vaterland anknüpft. Die angrenzenden Flächen des ehemaligen Potsdamer Bahnhofs wurden nicht bebaut, sondern als Grünfläche (Tilla-Durieux-Park) gestaltet.

 

 

Literatur- und Quellennachweis:

 

140

Hanseatisches Sammlerkontor für historische Wertpapiere GmbH

Verschiedene Auktionskataloge

 

290

Peus, Dr. Busso (Hrsg.)

Der Reichsbankschatz, Auktionskataloge Nr. 1 bis 5 aus 2003, 2004/2005, 2006, 2008