Siedlungsgesellschaft Bauernland Aktiengesellschaft Berlin

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Die Gesellschaft

Die Gesellschaft wurde am 17.11.1930 gegründet;

sie domizilierte in Berlin N24 (Postamt Oranienburger Straße), Monbijouplatz 3;

Zweigniederlassungen und Geschäftsstellen in

Breslau (Schlesien),

Rendsburg (Schleswig-Holstein),

Schwerin und Dersenow (Mecklenburg).

 

Zweck: Durchführung und Förderung ländlicher Siedlungen. Zu den Aufgaben der Gesellschaft gehört insbesondere:

  1. die Gründung von Bauernstellen,
  2. die Schaffung landwirtschaftlicher Kleinbetriebe, insbesondere die Errichtung von Handwerker- und Arbeiterstellen,
  3. die Besitzbefestigung durch Regelung der Belastungen,
  4. die Förderung gemeinwirtschaftlicher Einrichtungen.

Das Grundkapital von 1.000.000 RM (1.000 Stammaktien zu 1.000 RM) wurde von den Gründern übernommen. Die Aktie vom Dezember 1932 wurden von Herrn Heinrich Lübke als Vorstand unterzeichnet.

 

Weitere Papiere wurden nicht ausgegeben; nach der Bilanz 1943 betrug das Grundkapital immer noch 1 Mio. RM.

 

Die Leitung der Geschäftsstelle in Mecklenburg hatte Herr Fritz Lübke.

 

Die Generalversammlung vom 01.04.1935 beschloss die Auflösung der Gesellschaft; die letzte ordentliche Hauptversammlung war am 15.11.1943. Die Gesellschaft wurde 1953 nach Abwicklung gelöscht.

 

Heinrich Lübke (* 14.10.1894) und sein Bruder Fritz Lübke

In Mecklenburg wurden mindestens seit 1931 die beiden Güter Dammereez (Link) und Dersenow (Link) von der Siedlungsgesellschaft Bauernland verwaltet. Eigentümerin des Lehngutes Dammereez (Link) war bis dahin die Familie derer von Laffert, ein altes Adelsgeschlecht.

 

Herr Fritz Lübke korrespondierte teilweise unter dem Briefkopf „Rittergut Dersenow“. Ihm wurde später vorgeworfen, wertvolle Vermögenswerte (Möbel, Teppiche usw.) aus dem Gut Dersenow (Link) in seine Villa in Augaard in Schleswig-Holstein verbracht zu haben – mit Zustimmung von Heinrich Lübke.

 

Das Gut Dersenow wurde versteigert und ging an die Familie P. Herr P. hatte sich im Juli 1933 massiv über den Direktor Lübke beschwert und unterstellt, dass er die NSDAP und den Reichslandbund schädigen wolle. Zusätzlich hat der Kreislandbund Schwerin in einem Schreiben an das zuständige Ministerium unter Hinweis auf die „Bauerland A.G.“ vor Siedlungsunternehmen gewarnt, „welche nur auf Raub ausgehen“.

 

Auch ein Mitarbeiter der Gesellschaft, der Architekt B. hat sich seit Januar 1934 in mehreren Schreiben ausführlich und sehr, sehr negativ über die beiden Brüder Lübke geäußert.

 

Nicht zuletzt diese Beschwerden und ausführliche Berichte des Bücherrevisors R. führten bereits Anfang 1934 zur Verhaftung der Brüder Lübke, zur Entlassung des Vorstandes Heinrich Lübke am 09.02.1934 und Anklageerhebung wegen Korruption. Involviert war übrigens ein Staatsanwalt Dr. Puffpaff.

 

Das Landgericht Berlin entschied im November 1935, dass die Herren Lübke „außer Verfolgung“ gesetzt werden. Eine Haftentschädigung wurde allerdings wegen „grober Unredlichkeit“ verweigert.

 

Herr Fritz Lübke führte noch einige Prozesse gegen seinen früheren Arbeitgeber, die Siedlungsgesellschaft Bauernland.

 

Herr Heinrich Lübke wechselte von 1937 bis 1939 in eine Wohnungsbaugesellschaft in Berlin, ab 1939 als Vermessungsingenieur in ein Architekturbüro, das für Herrn Speer tätig war und arbeitet von 1943 bis Ende 1945 als Bauleiter in der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde - Heinrich Lübke hat sich also nach dem Desaster bei der Siedlungsgesellschaft Bauernland recht schnell wieder „berappelt“.

 

Nach dem Krieg war er ab April 1947 erst Landtagsabgeordneter und Minister in NRW, später Bundestagsabgeordneter und ab Oktober 1953 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

 

Und dann wurde er schließlich ab 13.09.1959 Bundespräsident und 1964 für eine zweite Amtsperiode wiedergewählt. Zum 30.06.1969 hat er aus gesundheitlichen Gründen auf das Amt verzichtet.

 

Er starb am 06.04.1972 im Alter von 78 Jahren in Bonn.

 

Literatur- und Quellennachweis

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

Wikipedia, die freie Enzyklopädie (Link)

 

Ausführlicher Schriftwechsel, Dokumente usw. aus den Jahren 1931 bis 1935