Terrain-Gesellschaft Gross-Lichterfelde

 

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Auf jeden Interims-Schein mussten 300,00 Mark eingezahlt werden; die Restzahlung von 100,00 Mark erfolgte im Jahre 1886 – aus den Interims-Scheinen wurden später „normale“ Aktien.

 

Die zweite Liquidationsrate wurde noch am 30.08.1940 ausgezahlt.

 

Die Gesellschaft

Die Gesellschaft wurde 1884 gegründet. Lichterfelde gehörte damals noch zum Kreis Teltow.

 

Zweck war der Erwerb, die Verwaltung und Verwertung von Gebäuden und Grundstücken.

Die Gesellschaft übernahm von der Land- und Bau-Gesellschaft auf Actien in Liquidation gehörige Grundstücke und Gebäude nebst Partinenzien (anderes Zubehör) im Umfange von 209 ha 6 a 16 m² - das waren immerhin etwas über 2 km², die nach und nach erschlossen werden sollten.

 

Zusätzlich erwarb die Gesellschaft weitere Grundstücke

1892 in Zehlendorf =                                     162.980  m²

1908 in Groß-Lichterfelde =                            36.256  m²

insgesamt hatte die Gesellschaft                2.289.852  m²

Bauland also rund                                             2,29  km²

Grundstücksflächen zur Verfügung, die zu verwerten waren – nicht schlecht

 

Ende 1913 besaß die Gesellschaft noch Areale in Groß-Lichterfelde mit einer Größe von brutto 79 ha 46 a 69 m² (794.669 m²) im Buchwert von 1,5 Mio. Mark und ein Haus in der Ringstraße 21 im Buchwert von 68.000 Mark.

 

Die Gesellschaft vereinbarte nach langen Auseinandersetzungen im Jahr 1906 mit der Gemeinde Groß-Lichterfelde den Ausbau sämtlicher Straßen (einschließlich Kanalisation und Beleuchtung) auf dem Areal innerhalb von ca. 13 Jahren. Die Kosten allein für diese Erschließungsmaßnahmen wurden auf 1. Mio. Mark geschätzt. Außerdem beteiligte sich die Gesellschaft mit 200.000 Mark an der normalspurigen Bahnlinie „Lichterfelde-Süd nach dem Händelplatz bei Steglitz“. Später muss eine Umplanung oder Umbenennung stattgefunden haben – es waren zwei unabhängige Bahn-Linien. Wahrscheinlich handelt es sich um die damalige „Potsdamer Bahn“ mit den Stationen von Lichterfelde-West Richtung Steglitz. Der heutige S-Bahnhof Lichterfelde-West liegt in der Nähe der Ringbahnstraße.

 

Auch mit dem Kreis Teltow gab es mehrjährige Prozesse, weil bei dem Bau des Teltowkanals auf den Grundstücken der Gesellschaft „Aufschüttungen“ erfolgten, die vertraglich nicht abgedeckt waren.

 

Die Gesellschaft arrondierte das gesamte Gelände und verkaufte später einzelne unbebaute Parzellen bzw. auf eigene Rechnung geplante und mit Landhäusern bebaute Grundstücke. Die Baulichkeiten sind zu einem Großteil auch heute noch erhalten.

 

Die Grundstücke waren belegen im Bereich

  • östlich der Kadetten-Anstalt in Groß-Lichterfelde (bis in die 1990er Jahre eine Kaserne der in Berlin stationierten amerikanischen Army, heute ist dort das Bundesarchiv untergebracht - Link) und dem
  • Teltow-Kanal – s.a. Lichterfelder Bau-Verein (Link) und Carstenn-Lichterfelde (Link).

 

Bis 1909 wurden regelmäßig Dividenden gezahlt – teilweise bis zu 35 %. Der Kurs kletterte bis auf 499 %. Seit 1913 wurden keine Dividenden mehr ausgeschüttet. Die Aktionäre bekamen lediglich zwei Liquidationsraten.

 

Das Grundstück Ringstraße 21 gehörte der Gesellschaft noch bis in die 1930er Jahre. Hier war auch eine Zeit lang der Sitz der Gesellschaft. Neben dem restlichen Bauland von rd. 150.000 m² und immerhin 59 TRM war das Grundstück der letzte Vermögenswert in der Liquidationsbilanz vom 16.12.1936.

 

Die Gesellschaft beschloss 1936 ihre Auflösung, nachdem sie sich zuvor etwa 25 Jahre in stiller Liquidation befunden hatte. Sie war neben der Lichterfelder Bau-Verein Actien Gesellschaft der zweite große Projektentwickler in Lichterfelde. Heute ist das Gebiet eine der beliebtesten, gutbürgerlichen Wohnlagen in Berlin.

 

Literatur- und Quellennachweis

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

Peus, Dr. Busso (Hrsg.)

Der Reichsbankschatz, Auktionskataloge Nr. 1 bis 5 aus 2003, 2004/2005, 2006, 2008

 

Reinhold, Erika (Erzählung), Reinhard Ilgner (Fotos);

Buchhandlung Bodenbender, Inh. Reinhard Ilgner, Berlin, 2002;

Lichterfelde vom Dorf zum Vorort von Gross-Berlin

 

Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.);

Ernst & Sohn, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH, Berlin, 1995

Stadt Haus Wohnung – Wohnungsbau der 90er Jahre in Berlin