Central-Bank für Bauten

 

Link zu verschiedenen Stadt- und Lageplänen sowie Bildern

Link zum Emissions-Prospekt der Gesellschaft vom 07.03.1872

 

Die Gesellschaft

 

Gegründet im Februar 1872, einer der typischen “Highflyer” der Gründerjahre mit bösem Erwachen für die Investoren. Aber der Reihe nach, erst einmal schien die Gesellschaft bei der Gründung über ausreichende Vermögenswerte in Form diverser Grundstücke zu verfügen.

 

Im Verkaufs-Prospekt der Central-Bank für Bauten aus dem März 1872 wurden die folgenden Grundstücke als im Eigentum der Gesellschaft ausgewiesen:

 

Spandauerbrücke Nr. 3, 4, und 5 mit zwei Wasserfronten,

heute: An der Spandauer Brücke

Hier war anscheinend das größte Bauvorhaben (zumindest auf dem Papier) konzipiert – die Verbindung zur Neuen Schönhauser Straße durch eine Ladenpassage, die in dieser Zeit anscheinend en vogue waren und möglichst überall errichtet werden sollten – wie z.B. die

            Friedrichstraßen-Passage (Link) und die

            Kaiser-Galerie (Link)

Allerdings lag das Grundstück – zumindest damals – für eine derartige Bebauung etwas außerhalb. Die Realisierung der Passage dürfte im Hinblick auf die vielen Grundstücke, die nicht im Eigentum der Gesellschaft waren, recht schwierig gewesen sein.

 

Die Spandauer Brücke wurde bereits im 13 Jahrhundert errichtet und war die einzige steinerne Brücke der mittelalterlichen Festung Berlin. Durch den Bau einer Stadtbahn verschwanden die beiden „Wasserfronten“. Heute ist hier der Hackesche  Markt, von Wasser ist nichts mehr zu sehen.

 

Friedrichstraße Nr. 250 (Kreuzberg)

Das Grundstück stieß damals fast an den Belle Alliance Platz; heute befindet sich dort die Randbebauung des Platzes. Die Friedrichstraße geht jetzt nur noch bis zur Nummer 246.

 

Friedrichstraße Nr. 105 A und Ziegelstraße Nr. 1 und 2 (Mitte)

Hier war der Firmensitz der Gesellschaft. Die Grundstücke sollten erst später bebaut werden. Allerdings liegt das Grundstück Friedrichstraße Nr. 105 A an der Spree und nicht die parallel verlaufende Ziegelstraße, die im Verkaufs-Prospekt an die Spree verlegt wurde. Diese beiden Grundstücke waren auch damals sicherlich werthaltig.

 

Ob der Initiator der Gesellschaft, Herr Eduard Mamroth nun wirklich gehofft hat, durch seine Aktivitäten gewinnbringende Gesellschaften zu gründen, sei dahingestellt. Im Nachhinein scheinen die Versprechungen im Prospekt sehr optimistisch zu sein.

 

Die mit Hilfe der Bank gegründeten Gesellschaften:

- Actien-Bau-Gesellschaft Ostend      

- "City" Actien-Baugesellschaft

- Actien-Gesellschaft „Südende“ (nicht: Terrain-Gesellschaft Südende)

- Cottage

waren zumindest teilweise etwas erfolgreicher und langlebiger.

 

Über die Central-Bank für Bauten wurde bereits am 19.4.1881 der Konkurs eröffnet  Die letzte geschäftliche Handlung war im Oktober des gleichen Jahres der Verkauf des Grundstücks Friedrichstrasse 105A für 523.000 Mark, während noch 546.850 Mark Hypotheken auf dem Objekt lasteten. Für die Aktionäre blieb demzufolge am Ende nichts übrig.

 

 

Otto Glagau, „ Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin“

 

Eine der grössten Blasen, die aus dem Hexenkessel emporstieg, war die Centralbank für Bauten, die zum Verfasser Herrn Eduard Mamroth hat. Sie erwarb und verkaufte Häuser und Baustellen, baute und übernahm Bauausführungen, lieh Baugelder und handelte mit Baumaterialien, und betrieb daneben „Bank- und Handelsgeschäfte jeder Art“. Aber daran nicht genug, sie legte sich auf´s Gründen; sie gründete in Berlin und ausserhalb; sie gründete Eisenwerke und Eisengiessereien, eine Centralfactorei für Baumaterial, und nicht weniger als 4 Zweig-Bau-Gesellschaften:

- Ostend       - Actien-Bau-Gesellschaft Ostend

- Südend      - Actien-Gesellschaft „Südende“

- City             -  „City“ Actien-Baugesellschaft         und

- Cottage.

Nach zehnmonatlichen Bestehen verteilte die Centralbank bereits eine Dividende von 43 Procent – wie das gemacht wird, werden wir später erfahren – und in Folge dessen ging der Cours im April 1873, kurz vor dem „Krach“, bis auf 420 hinauf. Von dieser wahnsinnigen Höhe stürzte er in den nächsten sechs Monaten bis unter 50.

 

Ein Gutsbesitzer hatte sein Gut verkauft und kam mit einem Barvermögen von 250.000 Thalern nach Berlin, um hier als Rentier zu leben. Er liess sich überreden, sein Capital in Centralbank anzulegen, und kaufte zum Cours von 400 für 80,000 Thaler Actien, die ihn also 320,000 Thaler kosteten. Den Rest mit 70,000 Thaler schoss der Banquier bereitwilligst zu, und behielt die Actien als Unterpfand in Verwahrung. Der Cours begann zu sinken und sank ohne Aufhören; der Banquier verlangte Deckung, und da diese nicht geleistet werden konnte, liess er die Actien im Wege der Execution an der Börse verkaufen. Der ehemalige Gutsbesitzer hatte in noch nicht einem halben Jahrs sein ganzes Vermögen verloren, und war dem Bankquier auch noch 20,000 Thaler schuldig.

 

Das geschah in den 1870er Jahren … und danach immer wieder, bis heute.

 

Literatur- und Quellennachweis:

40

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

110

Glagau, Otto;

Verlag von Paul Frohberg, Leipzig 1876;

Antiquariat Wilhelm Hohmann, Stuttgart 1996 (Reprint);

Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin

 

140

Hanseatisches Sammlerkontor für historische Wertpapiere GmbH

Verschiedene Auktionskataloge