Baugesellschaft Kaiser Wilhelm-Strasse in Berlin

 

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SUPPES Ausgabe- Auflage + Art des Wertpapiers Nenn- Währung Reichsbankschatz  
Nr. Datum       Wert   gefunden Jahr  
3.179 25.03.1885  12.000 Actie   500 Mark 14 2008 Abb.


Die Gesellschaft

Die Gesellschaft wurde am 01.07.1884 gegründet. Zweck war

  1. die Freilegung der Kaiser Wilhelmstr. In Berlin und die Verbreiterung der Neuen Friedrichstr. von der Klosterstr. bis zur Kalandsgasse, sowie der Burgstr.
  2. der Erwerb und die Bebauung von Grundstücken, welche an der Kaiser Wilhelmstr. und an den unter 1 gedachten Strassenstrecken belegen sind ... sowie Herstellung aller Einrichtungen und Anlagen, ... namentlich aber die Erfüllung der zwischen der Stadtgemeinde Berlin und der Berliner Handelsgesellschaft am 27.06.1884 geschlossenen Vertrages über die Herstellung der Kaiser Wilhelmstr.
  3. Verwaltung, Nutzung, Vermietung und Verpachtung sowie wiederveräußerung der zu 2 gedachten Grundstücke.

Die einzige Aktienemission aus 1885 wurde im Original von Hr. Kuchenmüller (Vorstand) in Faksimile von Hr. Winterfeldt als Aufsichtsrat unterzeichnet. Hr. Winterfeldt war Geschäftsinhaber der Berliner Handels-Gesellschaft.

 

Nach dem ursprünglichen Konzept der Gesellschaft sollte die Kaiser-Wilhelm-Strasse von der Straße Unter den Linden bis zur Alexanderstraße durchgehend bebaut werden. Bis 1884 war das Gebiet zwischen Stadtschloß und Alexanderplatz nämlich ein Gewirr von kleinen Gassen, Innenhöfen und verwinkelten Straßen, die schon damals unter „verkehrstechnischen Gesichtspunkten" (!!!) ein Problem darstellten. Daher wurde folgender Plan in Form eines Vertrages zwischen der Stadt Berlin und der Berliner Handels-Gesellschaft gefaßt:

Die Kaiser-Wilhelm-Strasse sollte vom Lustgarten bis zur Alexanderstrasse freigelegt und die Neue Friedrichstraße von der Klosterstraße bis zur Kalandsgasse verbreitert werden.

 

Zu diesem Zweck erwarb die Gesellschaft alle in Betracht kommenden Grundstücke und führte nach Anlage der Straße deren (Neu-) Bebauung durch, um die Gebäude zuguterletzt zu vermieten oder zu veräußern. Dabei wurden auch Grundstücke anderer Gesellschaften (z.B. der Deutschen Baugesellschaft) enteignet, was zu einer Reihe von Prozessen führte. Insgesamt wurden auf diese Weise ganze Häuserviertel abgerissen und neu gebaut - insbesondere im Bereich der Königsmauer (später: die S-Bahn-Trasse).

 

Im Zuge der Baumaßnahmen wurde auch die ehemalige hölzerne Schloßbrücke durch die 1887 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Brücke ersetzt.

 

Um die Gesellschaft wurde es um die Jahrhundertwende still, auch sie litt später unter der Rezession infolge des ersten Weltkrieges. Als die chronische Unterbilanz die Gesellschaft zu erdrücken drohte, beschloß sie 1919 die Liquidation - insgesamt wurden in fünf Raten bis 1922 = 400 % des Aktienkapitals zurückgezahlt. Am 07.01.1924 wurde dann den Aktionären die Schlussrechnung vorgelegt; kurz darauf wurde die Gesellschaft im handelsregister gelöscht.

 

 

Die Baugesellschaft Kaiser Wilhelm-Strasse wäre eine der bedeutendsten Baugesellschaften für den heutigen Bauhistoriker gewesen, hätte nicht der Zweite Weltkrieg und die darauf folgende Kahlschlagphilosophie in der damaligen DDR in den 50er Jahren fast alles zerstört, was die Gesellschaft zum Beginn des Jahrhunderts geschaffen hatte. Die Kaiser-Wilhelm-Brücke ist wohl das einzige Bauwerk der Gesellschaft, das noch heute existiert. Die restlichen Bauten wurden im Krieg zerstört, das gesamte Gebiet wurde neu arrondiert, wobei dies so radikal geschah, dass von der Neuen Friedrichstraße, der Kaiser-Wilhelm-Strasse, geschweige der anderen Straßen rein gar nichts mehr übrig geblieben ist. Die heutige Karl-Liebknecht-Straße verläuft einige Dutzend Meter südlich der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Straße.



Literatur- und Quellennachweis

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

Gottschalk, Wolfgang (Hrsg.)

Argon Verlag GmbH, Potsdamer Straße 77-87, Berlin

Das große Berlin – Max Missmann, Photographien 1899-1935

 

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

Zehrfeld, Axel G.;

Berliner Terraingesellschaften