Westliche Boden-Aktiengesellschaft zu Berlin
Die Gesellschaft
Die Gesellschaft wurde am 08.12.1902 mit einem Kapital von 6,5 Mio. Mark gegründet. Mitbegründerin war die Neue Boden - AG (Link). Bereits im August 1903 wurde das Kapital um 6 Mio. Mark erhöht, um die Grundstücke zu erwerben, die einst der Familie Blisse gehörten (siehe Nr. 4). Bereits am 15.05.1906 wurde von der Generalversammlung die Auflösung der Gesellschaft beschlossen. Das tatsächliche Ende der Gesellschaft war erst 1932.
Zweck war der Erwerb und die Verwertung von Liegenschaften aller Art, insbesondere in Berlin und dessen westlichen Vororten. Die Gesellschaft verstand sich anscheinend vorrangig als Arrondierungs- und Erschließungsgesellschaft.
1 Die Gesellschaft übernahm bei ihrer Gründung die noch verbliebenen Grundstücke der
Berlin-Wilmersdorfer Terrain-Gesellschaft i. L. (Link) in Wilmersdorf an der
- Uhlandstraße,
- Pfalzburger Straße,
- Nassauische Straße,
- Düsseldorfer Straße,
- Preußische Straße (seit 1908 ein Teil des Hohenzollerndamms),
- Güntzelstraße und
- Lauenburger Strasse (seit 1947 Fechnerstraße)
mit einer Fläche von nur noch 59.959 m² Bau- und Vorgartenland sowie ca. 1.002 m² freizulegendes Straßenland. Teil dieser Immobilien war ein Villengebäude im Wert von 60.000 Mark. Die übereigneten Baustellen wurden mit einem durchschnittlichen Wert von 750 Mark pro qR bzw. 53 Mark pro m² angenommen.
Bei den Grundstücken an der Uhlandstraße wurden lediglich die Erschließungsarbeiten durchgeführt; in den anderen Fällen ist die übliche Parzellierung bis zur Baureife vorgenommen worden.
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Weiter wurden von der Neuen Boden-AG (Link) zwei Terrains eingebracht:
2 ein 46.551 m² großes Areal am
- Kurfürstendamm Ecke
- Brandenburgische Straße bzw.
- Paulsborner Straße,
- Eisenzahnstraße und
- Albrecht-Achilles-Straße
mit Übernahme eines Hypothekendarlehens von 1,3 Mio. Mark;
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3 das andere Grundstück mit einer Größe von 48.539 m² an der entstehenden
- Preußische Straße (Hohenzollerndamm) zwischen
- Sigmaringer Straße,
- Gieseler Straße,
- Sächsische Straße,
- Wegener Straße und
- Pommersche Straße (seit 1888 Prager Straße)
mit Übernahme eines Hypothekendarlehens von 1,438 Mio. Mark.
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4 Schließlich erwarb die Gesellschaft nur sechs Monate nach ihrer Gründung von der Dresdner Bank (Link), der Bank für Handel und Industrie und der Berliner Bodengesellschaft ein Terrain im Wert von 9,1 Mio Mark und einer Größe von 28.127 m² am
- Hohenzollerndamm zwischen
- Fehrbelliner Platz und der
- Berliner Straße,
welches einst der Gutsbesitzer-Familie Blisse (s.u.) gehörte. Zu diesem Zweck wurde die Kapitalerhöhung im August 1903 durchgeführt.
Im Jahre 1903 wurde ein großes Grundstück am Hohenzollerndamm an die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte (später BfA, jetzt DRV) veräußert. Auf dem Grundstück befindet sich heute die Zentrale der DRV.
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5 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Bebauung rund um den Lietzensee von insgesamt vier Gesellschaften realisiert:
- Terrain-Aktiengesellschaft Park Witzleben (Link), siehe dort, Pläne und Bilder der Bebauung),
2,1 Neue Boden-Aktiengesellschaft (Link),
2,2 Westliche Boden-Aktiengesellschaft, eine Tochter der Neuen Boden,
3 Neu-Westend Aktiengesellschaft für Grundstücksverwertung (Link).
Der westliche Teil des Lietzensees wurde allein von der Terrain-Aktiengesellschaft Park Witzleben bebaut; der östliche Teil bis hin zur Windscheidstraße von den drei anderen Gesellschaften.
Der Vertrieb der Immobilien wurde ursprünglich von der Terrain-AG Park Witzleben (westlicher Teil) sowie der Westlichen Boden-AG (östlicher Teil), später allein von der Terrain-AG Park Witzleben organisiert.
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Warum trotzdem in der Generalversammlung am 15.05.1906 die Auflösung der Gesellschaft beschloss ist unklar. In den darauffolgenden Jahren wurden noch diverse Geschäfte getätigt, mit der Stadtgemeinde Wilmersdorf wurde über die Arrondierung des Geländes gestritten, diverse Grundstücke wurden veräußert. Der Kurs der Aktie ging in den Jahren 1903 von 128 % kontinuierlich zurück auf nur noch 54 % im Jahre 1913, eine Dividende von 4 % wurde ausgeschüttet ... aber nur im Jahr 1903. Sehr gewinnbringend waren die Geschäfte also nicht. Allerdings wurden dann doch noch mehrere Liquidationsraten von der Westlichen Boden-AG in Liqu. gezahlt:
01.08.1907 150,00 Mark
21.09.1908 300,00 Mark
01.07.1911 100,00 Mark
15.08.1913 100,00 Mark und schließlich
26.05.1923 535 % 5.350,00 Mark
Die letzte Liquidationsrate wurde allerdings auf dem Höhepunkt der Inflation (Link) ausgezahlt. Im Juli 1923 stand der Dollar bei 760.000,00 Mark. Die letzte Rate in Höhe von 5.350,00 Mark reichte eventuell für ein Bierchen.
Die Handelsgesellschaft für Grundbesitz (Link) begab am 31.03.1908 eine Anleihe zu 5 % (Teilschuldverschreibung). Diese war „gedeckt durch eine Grundschuld auf Grundstücken der Westlichen Boden-Aktiengesellschaft in Liquidation zu Berlin, eingeteilt in 7.000 Teilschuldverschreibungen über je 1.000 Mark, rückzahlbar mit einem Zuschlag von 2 %“. Die Anleihe diente der weiteren Erschließung der Liegenschaften der Westlichen Boden AG in Liquidation und zu Ausschüttungen an die Aktionäre (!!).
Im Jahr 1910 hatte die Gesellschaft in den 5 Baugebieten immer noch einen Grundstücksbestand von 122.846,88 m² mit einem Wert von rd. 7,8 Mio. Mark.
Erst in der GV vom 16.06.1924 (!!) wurde die Schlussbilanz vorgelegt und die Gesellschaft am 28.06.1924 gelöscht. Nach einer amtlichen Bekanntmachung vom Mai 1925 ist die Gesellschaft wiederum in Liquidationszustand getreten. Das Gesamtbild der Liquidations-Entwicklung Ende Oktober 1929 ergab, dass den Verbindlichkeiten von rund 249.000,00 RM nur ein voraussichtliches Vermögen von ca. 181.000,00 RM gegenüber stand. Wiederholte Verhandlungen mit den Aufwertungsgläubigern zwecks weiterer Abwicklung der Geschäfte haben sich zerschlagen. In Anbetracht der drohenden Überschuldung der Gesellschaft beschloss die GV vom 06.12.1929 die Beantragung des Konkurses; das Verfahren wurde am 20.12.1929 eröffnet. Nach Mitteilung des Konkursverwalters vom Dezember 1932 sind bis dahin 14 % auf die vorrechtslosen Forderungen zur Ausschüttung gelangt. Die Höhe der endgültigen Konkursquote und der Zeitpunkt der Beendigung des Konkursverfahrens konnte infolge nach lang andauernder Aufwertungsprozesse nicht angegeben werden.
Im Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften von 1943 ist die Gesellschaft dann tatsächlich nicht mehr aufgeführt.
Wilmersdorf
Wilmersdorf gehörte bis Anfang 1907 als selbständiger Stadtkreis zum Kreis Teltow. „Deutsch-Wilmersdorf“ erhielt am 01.04.1907 die Stadtrechte.
Durch das Gesetz vom 27.04.1920 wurde die „Gemeinde Wilmersdorf“ mit den Landgemeinden bzw. Gutsbezirken
Schmargendorf, Grunewald sowie die Stadt Wilmersdorf mit immerhin 157.944 Einwohnern in die neue Stadtgemeinde Berlin integriert.
Literatur- und Quellennachweis:
Bogon, Winfried
(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)
Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943
Peus, Dr. Busso (Hrsg.)
Der Reichsbankschatz, Auktionskataloge Nr. 1 bis 5 aus 2003, 2004/2005, 2006, 2008
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