Actien-Gesellschaft Berliner Neustadt

.

 

Lange Zeit war nur 1 Stück der Aktie bekannt, 2020 wurden 6 Stücke in einem ausländischen Nachlass gefunden (jetzt R 9, davor R 12).

 

Die Gesellschaft

Die Gesellschaft wurde am 09.04.1873 gegründet.

 

Zweck: Erwerb, Parzellierung, Bebauung und Veräußerung eines Grundstück-Komplexes in der Feldmark Lichtenberg zwischen der

Frankfurter Allee (heute Karl-Marx-Allee) und der

Landsberger Chaussee dem

Berliner städtischen Central-Viehhof, der

Thaerstraße sowie der

Ringbahn

 

mit einer Größe von 462 Morgen und 62,9 qR bzw. 1.155.892 m², etwas über 1 km² mit einem Erwerbspreis von 7.116.000 Mark.

 

Kapital: 5.000.400 Mark in 8.334 Actien á 200 Thalern bzw. 600 Mark; nach Reduzierung des ursprünglichen Aktienkapitals von 6.000.000 Mark „durch Vernichtung unentgeltlich offerierter 1666 Actien zuf. G.-V.-Beschl. v. 7. Juli 1884“.

 

Zusätzlich wurden nach 1884 noch Obligationen im Wert von 2.500.000 Mark ausgegeben - mit einem vereinbarten Rückkauf von 20 Jahren sowie einer Verzinsung von 5 %. Der Rückkauf und die Bedienung wurden sichergestellt durch eine „Cautionshypothek“ von 2.635.000 Mark zu Gunsten einer Bank. Man muss davon ausgehen, dass die Obligationen auch regelmäßig bedient und zurückgekauft wurden, damit die entsprechenden Grundpfandrechte in den Grundbüchern von der Bank freigegen werden konnten. Nach 1889 waren bereits nur noch Obligationen im Wert von 1 Mio. im Umlauf. Allerdings war dadurch eine Ausschüttung an die Aktionäre nicht möglich.

 

In den Jahren von 1873 bis 1908 reduzierte sich der Grundstücksbestand von ursprünglich mehr als einem km² auf nur noch 13.820 m². Die Erlöse aus den Grundstücksverkäufen von deutlich mehr als dem Einstandspreis führten dazu, dass der Aktienkurs kontinuierlich von 1886 = 37 1/2 % (bei Börseneinführung) bis 1913 auf 159,75 % stieg.

 

Bis 1899 wurde keine Dividende ausgeschüttet (in dieser Zeit mussten die Obligationen bedient und zurückgekauft werden) – dann aber Dividende 1900 = 4 % und 1901 = 17 ½ %.

 

Nach der 1902 beschlossenen Liquidation konnten durch erfolgreiche Parzellierung, Bebauung und Veräußerung der Flächen an die Aktionäre insgesamt 161 % des Nennwertes der in Berlin börsennotierten Aktien ausgeschüttet werden, dokumentiert durch 17 Rückzahlungs-Stempeln auf der Aktie. Der Verkauf des restlichen Terrains am Zentralviehhof Anfang 1923 für 3 Mio. Mark brachte keinen Nutzen mehr:

Den größeren Teil des Erlöses fraß die Steuer, den Rest dann die Inflation. Danach war die Gesellschaft vermögenslos und wurde 1925 im Handelsregister gelöscht.

 

Aber über die Jahrzehnte gesehen, war diese Aktiengesellschaft durch die Grundstücksverkäufe doch recht erfolgreich.

 

Heute liegt das Areal im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Ortsteil Friedrichshain.

 

Stadtpläne und Bilder

 

Link zu Google Maps

Link zu Wikipedia, Berliner Vieh- und Schlachthof

 

 

 

Literatur- und Quellennachweis:

 

40

Bogon, Winfried

(digitaler Reprint November 2005, 2008 - Verlag für digitale Publikationen)

Handbuch der Deutschen Aktiengesellschaften, 1914/15 + 1925 + 1932 + 1943

 

65

Ewald, Dr. Ing. E.

R. G. Elwert´sche Verlagsbuchhandlung (G. Braun), Marburg / L.

1920er Jahre

Im Flugzeug über Berlin

 

130

Gutowski, Vladimir (verantwortlich für den Inhalt);

Auktionshaus Gutowski GmbH (Hrsg. + Verlag)

verschiedene Auktionskataloge,

SUPPES 2008/09 ff. Bewertungskataloge für Historische Wertpapiere, Deutschland vor / nach1945

SUPPES Special, Übersicht aller im Reichsbank-Schatz vorhandenen Papiere

 

300

Pharus-Pläne, Nachdrucke

Scharnhorststraße 25, 10115 Berlin – Webseite www.pharus.eu